Karl Bobek 1925 - 1992

1925 in Berlin geboren
1943 Abitur
1943-49 Kriegsdienst und Gefangenschaft
1949-55 Studium der Bildhauerei in Berlin bei Renee Sintenis
1960 Villa Massimo-Preis
1964 Cornelius-Freis
1963-72 Prof. an der Kunstakademie Düsseldorf
ab 1976 Projekt "Straße" und "Park"
1979 erster Guß in Lebensgröße aus dem Projekt "Straße":
"Eva und Borchert", aufgestellt an der Südseite des Münsters in Breisach bis 1989
1992 gestorben in Maroth/Westerwald

Karl Bobeks Bildhauerei war von Anfang an von einem humanen Menschenbild geprägt.

Er setzte um, was er in Alltagssituationen erlebte oder auf Fotos gesehen hatte. Er schuf individuelle Typen, wie sie jedem auf der Straße täglich begegnen können. Er wollte Gefühle, innere Regungen, Ausstrahlung verbildlichen.

"Eva und Borchert" stehen hintereinander, optisch miteinander verbunden durch 4 Eisenplatten, auf denen sie montiert sind. Diese Gruppe war die erste Gruppe im öffentlichen Raum, sie stand von 1979-89 an der Südseite des Münsters in Breisach.

Eva und Brochert waren Studenten von Karl Bobek an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Dargestellten sind noch jung, sie sind auf dem Weg und noch nicht vom Leben gezeichnet. Die Wahl des Vornamens der Frau und des Nachnamens des Mannes macht das Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, in dem sich die Figuren befinden, zusätzlich deutlich.

Die Plastik soll mit den umgebenden Bauten korrespondieren, keine monumentale, sondern eine auf das menschliche Leben bezogene Aussage soll versucht werden.

Die Figuren behaupten sich durch ihre räumlich präzise Ordnung auf einer aus gleichem Material gegebenen, formal streng zugeordneten Basis.

Sie sind auf Begegnung angelegt, und nicht auf bloße Anschauung. Zum Kernpunkt des Konzeptes gehört die unmittelbare Kontaktaufnahme der Passanten mit den Figuren, die menschengroß sind.

Der Betrachter ist selbst Teil der Szenerie, er wird unwillkürlich in das Beziehungsgeflecht der Figuren eingesponnen. Die Bezüge untereinander werden definiert durch die eigene Position, die Stellung ihnen gegenüber. Mit dem Standortwechsel verändern sich stets auch die räumlichen Werte.

Das besondere Aufeinandertreffen von künstlicher und realer Welt verbindet beide symbiotisch miteinander, die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen.

Gleichzeitig wird räumliche Distanz, räumliche Spannung über die große Entfernung der beiden Figuren voneinander, aufgebaut. Diese Distanz verdeutlicht den Autonomieanspruch jedes einzelnen Mitglieds der Gruppe.

Trotzdem bleibt als Wesenskern der inhaltlichen Aussage der Bezug des Paares zueinander. Die Haltung von Borchert wird nur verständlich und bekommt einen Sinn angesichts der vor ihm stehenden Eva. Das nicht lösbare Rätsel um die Beziehung der beiden zueinander und die dadurch zur Spannung aufgeladene Atmosphäre des Raumes zwischen ihnen, macht den Reiz der Arbeit aus .

Bobek nutzt die spezifische Eigenschaft des rostigen Eisens, die Porosität, das Brüchige, die Unebenheiten der Oberfläche und setzt sie ein als Metapher für das Bild des Menschen auf der Straße, der darin der offenen Welt ausgesetzt ist.

Das Vergängliche liegt in der Natur des Eisens und ist damit das ideale Pendant zur biologischen Uhr des Menschen. Es sind die ambivalenten Materialeigenschaften des Eisens, die hier zum Tragen kommen: Bewahren - Vergehen, Schutz und Stabilität -Auflösung. Genau auf diese Ambivalenz kam es Bobek an, definiert er doch als ein Kerngefühl des Menschen dessen gegensätzliche Empfindungen.

10.7.2001